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Honigbienen und Pestizide: ein Massaker?  (Archiv) 

Archiviert: 21.02.2013
Die Bienenpopulation dezimierte sich im letzten Jahrzehnt. Imker machen dafür eine neue Gruppe von systemischen Pestiziden verantwortlich, während Pestizidkonzerne und Kontrollbehörden diese Behauptung ablehnen. Doch erhärtet sich der Verdacht, dass nicht neutral recherchiert wird, aufgrund von Industrieeinflüssen und Interessenskonflikten innerhalb des Regulierungssystems.


Im letzten Jahrzehnt kaschierten Imker, Wissenschaftler, Umweltschützer und Politiker das ungeklärte Bienensterben in Europa und Nord Amerika. „Lab Times“ analysierte 2010 den wissenschaftlichen Forschungstand bei diesem dramatischen Bienensterben (Lab Times 2010,Nr.6 „Honey bee mortality crisis: One big sticky mess“ und Lab Times online: „ Bees in Crisis – A Comprehensive Situation Report“, 29. Nov. 2010).
Während der letzten Jahrhunderthälfte reduzierte sich der Bienenbestandes (Apis mellifera) ständig. Bis 1980 wurden die Honigbienenverluste in der USA den toxischen Auswirkungen von Pestiziden zugeschrieben (vor allem phosphororganische und Carbaminaten). Dann fand ein dramatischer Verlust durch parasitäre Milben statt, Acarapis woodi (1984) und Varroa (1987). Wie auch immer, nach dem Winter 2006/07 wurde ein neues Phänomen beobachtet – der Völkerkollaps (Colony Collapse Disorder, CCD). Erwachsene Bienen verschwanden einfach aus den Bienenstöcken, verließen ihre Futter und ihre Brut, was dazu führte, dass 38% der Bienenvölker verloren gingen. Ähnliche Verluste wurden von den Bienenzüchtern in Europa beschrieben. Die Europäische Kommission gab an, dass „in ganz Europa ein starker Rückgang von wilden Bienen und anderen Bestäubern und gehaltenen Honigbienen zu beobachten ist und es zu erwarten ist, dass dieser Trend anhält“ (http://ec.europa.eu/food/animal/liveanimals/bees).

Das ist nicht nur eine ökologische Bedrohung. Die Bestäuber tragen jährlich mindestens 22 Milliarden Euro zur europäischen Agrarindustrie bei, da 84 % der Saaten eine Insektenbestäubung benötigen.

Voreingenommene Forschung?
Es mögen viele Faktoren beim CCD (Colony Collapse Disorder – Völkerkollaps) involviert sein, aber es konnte noch keine Ursache identifiziert werden. Es wird vermutet, dass eine Kombination von Faktoren dafür verantwortlich ist. Wie auch immer, die Forschung neigt dazu sich von den Interessen der Schädlings-bekämpfungsfirmen abzugrenzen. Zwei Lager befinden sich im Konflikt. Auf einer Seite befinden sich die Wissenschaftler, welche daran festhalten, dass das Bienensterben auf biologische Faktoren zurückzuführen ist, wie parasitäre Bienenschädlinge (Milben), Krankheiten (Pilzbefall, bakteriell und viral) oder eine Reduzierung der Quantität und Qualität des vorhandenen Bienenfutters (Pollen von blühenden Pflanzen). Diese Gruppe, manchmal als Pestizid-„Leugner“ bezeichnet, weigert sich, chemische Pestizide als einen Faktor für das plötzliche Ansteigen des Bienensterbens anzuerkennen. Wissenschaftler der konträren Gruppe untersuchten die Veränderungen beim Einsatz von Pestiziden und den Zusammenhang zum Bienensterben, besonders seit der Einführung von neonicotinoiden systemischen Insektiziden (siehe blaues Textfeld). Diese Gruppe bestätigt, dass Bienen unter Krankheiten, Schädlingen und dem Verlust von Futterquellen leiden. Aber sie argumentiert auch, dass die Überlebensressourcen der Bienen durch die toxischen Auswirkungen von Pestiziden massiv beschnitten worden sein dürften. Besonders betroffen sind sie durch moderne Agrarkulturen, welche pestizidbehandelte Monokulturen beinhalten, und den Bienen ziemlich eintönige, pestizidversetzte Nahrung anbieten.
Es sollte nicht überraschen, dass Schädlingsbekämpfungsfirmen die Erklärungen der ersten Gruppe bevorzugen. Aber in welchem Ausmaß beeinflussen diese Firmen die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet? Der Verdacht erhärtet sich, dass eine Beeinflussung der Auswahl der veröffentlichten Projekte stattfindet, welche dann der Öffentlichkeit, öffentlichen Behörden und Entscheidungsträgern vorgelegt werden. Speziell in den Monaten vor einer Überarbeitung von bestehenden Pestizidanwendungsrichtlinien. Zum Beispiel, begann in 2009 die EU eine Überarbeitung der in 1991 verfassten Richtlinien, „betreffend die Zulassung von Pflanzenschutzmittel auf dem Markt“. Und in den Vereinigten Staaten, prüft die Umweltschutzorganisation EPA (Environmental Prodection Agency) im Moment die Wieder-Registrierung von neonicotinoiden Pestiziden.

Subletale Wirkung von neonicotinoiden Mitteln bei Bienen.
In der gültigen Gesetzgebung dürfen Pestizide nicht in einem Ausmaß verwendet werden, der Bienen gefährdet. Normalerweise werden diese Werte im Vergleich zur tödlichen Dosis festgelegt. Allerdings hat sich gezeigt, dass neonicotinoide Pestizide, Bienen bei einer viel niedrigeren Dosis schädigen können. Diese Dosis kann sich durch die Ernährung von Pollen, Nektar und der Wasserabsonderung von bereits samenbehandelten Pflanzen anhäufen (Krupe CH et al. PLoS one 2012 7 (1): e29268).

Die in der wissenschaftlicher Literatur erwähnte subletale Wirkungen, beinhalten eine Vielzahl von Verhaltensauffälligkeiten bei Honigbienen: Desorientierung und Schwierigkeiten zum Bienenstock zurück zu finden; reduzierte Futtersuche und Flugbereitschaft; beeinträchtigte Erinnerung und Lernfähigkeit; und die Unfähigkeit mit den anderen Stockbienen richtig zu kommunizieren. Diese Auswirkungen können durch eine Kombination von mehreren Pestiziden verstärkt werden (e.g. Gill RK et al., Nature 2012 491:105).
Andere beobachtete Auswirkungen sind eine Entwicklungsverzögerung bei Bienenlarven und Reproduktionsprobleme (e.g. Wu JY et al., PLoS ONE 2011 6(2): e 14720). Auch scheinen die Bienen anfälliger für Schädlinge und Krankheiten zu sein. Wie sich vor kurzem zeigte, verstärkt sich diese Wirkung durch die synergistischen Effekte von mehreren verschiedenen Pestiziden (e.g. Pettis JS et al., Naturwissenschaften 2012 99(2):153; Cornman RS et al., PLoS ONE 2012 7(8) : e43562).
Zuerst verleugneten Pestizidkonzerne dies über Jahre, dann minimalisierten sie die Möglichkeit, dass ihre systemischen Pestizide einen subletalen Einfluss auf die Bienen haben. Die Position der Firma Bayer schien besonders hypokritisch zu sein, als sie sich in einer Broschüre für den asiatischen Markt damit rühmten, dass das Imidacloprid enthaltende Insektizid „Premise 200SC“ eine subletale Wirkung auf Termiten hat.
Was ist „Premise 200SC plus Nature“? Eine niedrige Dosis von Imidacloprid, wie sie am Rande eines behandelten Gebietes vorkommt, macht die Termiten orientierungslos und sie können ihr natürliches Putzverhalten nicht mehr aufrecht erhalten. Das Putzverhalten ist für Termiten wichtig, um sich vor krankmachenden Pilzbefall zu schützen. Wenn die Termiten aufhören sich zu putzen, greift der, in der Erde natürlich vorkommende Pilz die Termiten an und tötet sie. Imidacloprid macht den Pilz 10.000-mal gefährlicher für Termiten. „Nature“ unterstützt Imidacloprid damit es eine unübertroffene Kontrolle gibt. Diese Kontrolle heißt „Premise 200SC plus Nature“.
Der Independent (30. Dez. 2011) berichtete, dass die Regierung des Vereinigen Königreiches beauftragt wurde zu untersuchen, ob die subletalen Effekte bei Termiten auch bei Bienen existieren.
Der Sprecher von Bayer, Julian Little, sagte, „wir führen viele Tests durch, um die Wirkung von Insektiziden bei Bienen zu testen und eine Minderung des Putzverhaltens ist nie aufgetreten“. Aber als er unter Druck gesetzt wurde gab er zu, dass „spezifische Test die zeigen ob das Putzverhalten bei Bienen durch Neonicotinoide eingeschränkt wird oder nicht, nie durchgeführt wurden“.


Feldstudien
Eine große Quelle für die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen „Leugnern“ und jenen, die von der subletalen Wirkung von Neonicotinoiden berichten, ist die Bedeutung der Daten für das wirkliche Leben der Biene. Auf einer Seite ist die Frage, ob Forscher, welche einzelne Bienen im Labor beobachten ihre Ergebnisse auf den gesamten Bienenstock in freier Wildbahn hochrechnen können. Auf der anderen Seite, gibt es Kontroversen über die experimentelle Konzentration von Neonicotinoide-Lösungen und wie es den Bienen verabreicht wird. Spiegelt das die Konzentration wieder, die Bienen beim Sammeln von Pollen und Nektar von behandelten Pflanzen ausgesetzt sind? Über welchem Zeitraum sind Bienen der Belastung ausgesetzt? Es genügt zu sagen, dass bei jeder Studie Zweifel angebracht worden sind, dass Neonicotinoide einen nachteiligen Effekt auf Bienen ausüben. Aber im März 2012, ließen zwei in Science“ publizierte Studien aufhorchen, denn beide Versuche wurden in einer Feldstudie an gesunden Bienenstöcken durchgeführt.

Bienen verirren sich
„Ein gebräuchliches Pestizid reduziert den Erfolg bei der Nahrungssuche und das Überleben bei der Honigbiene“ war der Titel der französischen Studie von Mickael Henry von INRA unter der Leitung von dem bewährten Bienenforscher Axel Decourtye (Science 336, 348). Das Team von Decourtye klebte winzige Radiofrequenz-Identifikationsetiketten (RFID) auf den Rücken der futtersuchenden Honigbienen, welche am Morgen gefangen wurden, als sie das erste Mal zum Bienenstock zurückkamen. Die Hälfte der Bienen wurde einer subletalen Dosis von Thiamethoxam, das am besten verkaufte Neonicotinoide von Syngenta, ausgesetzt. Die behandelten Bienen und die Kontrollbienen wurden in unterschiedlichen Distanzen wieder freigelassen (70 m und 1 km), in bekannten und unbekannten Gebieten und in unterschiedlichen Landschaftstypen (ländliche und vorstädtische). Ihre Rückkehr wurde durch einen RFID-Leser, am Bienenstockeingang, überwacht.
In drei von vier experimentellen Situationen, war der Heimkehrerfolg zwischen Thiamethoxam behandelten Bienen und Kontrollbienen vernachlässigbar (weniger als 10%), aber die pestizidbehandelten Bienen erzielten immer das schlechtere Ergebnis.
Aber im 4. Experiment (futtersuchende Bienen wurden wahllos freigelassen; in 1 km Entfernung in einem Getreideanbaugebiet) konnten 43,02% der Thiamethoxam behandelten Bienen nicht zu ihrem Bienenstock zurückfinden. Im Vergleich dazu verirrten sich nur 16,9% der Kontrollbienen auf dem Weg zurück. „Wir waren sehr über das Ausmaß der Wirkung überrascht“ sagte Henry. Indem Sie ein Modell mit dynamischer Population verwendeten, simulierten sie was mit einem Bienenvolk passiert, wenn die Sterberate während der Blütesaison höher ist. Wenn die futtersuchenden Bienen täglich kontaminiert werden, könnte sich die Bienen im Bienenstock in einer Blütensaison halbieren oder im schlimmsten Fall sogar um 75% verringern. Wie die INRA Veröffentlichung argumentierte, „Orientierungslosigkeit, kann die natürliche Entwicklung eines Bienenvolkes untergraben und gefährdet es für Stressfaktoren wie einen Befall durch die Varroamilbe, Frühjahrsschwindsucht, Viruserkrankungen oder die Fähigkeit, natürliche Blütenressourcen zu nutzen. Das heißt auch, dass „das langfristige Überleben eines Volkes durch den Kontakt der futtersuchenden Bienen mit neonicotinoiden Insektiziden beeinflusst wird. Selbst wenn sie keinen tödlichen Dosierungen ausgesetzt werden“.

Hummeln machen weniger Kolonien
Die andere Studie kam von David Goulson, ein Hummel-Biologe an der Universität von Sterling, Schottland („Neonicotinoide Pestizide reduzieren das Wachstum von Hummelvölkern und die Produktion von Königinnen“, Whitehorn PR et. Al. Science 336, 351). Hummelkolonien sind viel kleine als die der Honigbienen, mit nur ein paar duzend Arbeiterinnen, verglichen mit bis zu 80.000 Honigbienen. Goulsons Team hielt 75 Hummelvölker auf einer kontrollierten Diät im Labor. Die Diät spiegelte die Belastung durch Imidacloprid, während der zweiwöchigen Blütesaison von Ölsamenraps, wieder.
25 Kolonien erhielten Pollen, welche mit 6 Teilen pro Milliarde (TpM) Pestizide behandelt wurden. Weitere 25 Kolonien erhielten die doppelte Dosis und 25 dienten zur Kontrolle. Nach zwei Wochen wurden die Kolonien für 6 Wochen in zum Futtersuche in ein Feld gestellt, um in Gärten, von Wildblumen und eine Auswahl von Getreidearten zu sammeln. Am Ende des Experiments wogen die Hummeln, welche mit Imidacloprid gefüttert wurden 8 % bis 12 % weniger als die von den unbehandelten Völkern. Die Anzahl der Arbeiterhummeln war ähnlich, aber die behandelten Bienen sammelten nachträglich weniger Futter. Der wichtigste Unterschied war aber die Anzahl der produzierten Königinnen; die Kontrollstöcke hatten durchschnittlich 13 Königinnen, verglichen mit 2 und 1,4 in den behandelten Stöcken. „Das resultiert wahrscheinlich in einem wesentlichen Populations-unterschied“, denn Hummeln haben einen jährlichen Lebenszyklus und nur die neuen Königinnen überleben den Winter und gründen neue Kolonien im Frühling. Ihre Schlussfolgerung war, dass „es dringend notwendig ist, Alternativen zu den weitverbreiteten neonicotinoiden Pestiziden zu finden, wo immer es möglich ist“.
Diese beiden Studien sind nicht politisch beeinflusst. Im April 2012 leitete der Europäische Ombudsmann eine Untersuchung ein, ob die Europäische Kommission ausreichende Maßnahmen zum Kampf gegen das Bienensterben in Europa unternommen hat. Die Europäische Kommission ersuchte die Europäische Lebensmittelstandard Kommission eine wissenschaftliche Meinung abzugeben (siehe unten).

Ein neues französisches Pestizidverbot
Im Juni 2012, verkündete der französische Landwirtschaftsminister, dass Thiamethoxam (verkauft als „Cruiser“) für Ölsaat Raps verboten wurde. 1999, als vorbeugende Maßnahme wurde bereits Imidacloprid (verkauft als „Gaucho“) bei der Sonnenblumen-Saatbehandlung verboten. Imker berichteten von einem Massensterben bei den Bienen seit 1994, als Bayer‘s Imidacloprid zum ersten Mal bei der Behandlung von Getreide eingesetzt wurde. Studien von Wissenschaftlern bei INRA zeigten Evidenz, dass Imidacloprid bei niedriger Dosierung toxisch ist. Das Verbot kam nach anhaltenden und kontroversen Debatten zwischen verschiedenen Regierungsämtern, Argumenten mit Pestizidherstellern und Prozessen. 2004 wurde das Imidacloprid-Verbot auf Mais ausgedehnt. Fipronil, ein systemisches Pestizid von BASF (verkauft als „Regent“) wurde auch verbannt, nach ausgedehnten öffentlichen Debatten und rechtskräftigen Entscheidungen. Syngenta bestand darauf, dass die Entscheidung „Cruiser“ in Frankreich zu verbieten „ohne angemessene wissenschaftliche Beweise“ gemacht wurde (Farmers Weekly, 29. Juni 2012). Die Firma schätzt, dass diese Entscheidung den französischen Bauern „ungefähr 200 Millionen Euro pro Saison kosten wird, aufgrund von entgangener Produktion und Ernteschutz“. Aber die französischen Bienenzüchter sind froh über diese Entscheidung.

Cresswell‘s Attacke
Im September, publizierte Science eine “fachliche Stellungnahme“ von James Cresswell (Universität von Exter) und Helen Thompson (Vereinigtes Königreich, Lebensmittel- und Umweltforschungsinstitut, FERA), welche Henry’s Erkenntnisse anfechtete, gefolgt von der Reaktion von den französischen Forschern (Science 337: 1453).
Cresswell erläuterte, dass wenn man den Faktor „w“ bei Henry’s Populationsmodell änderte, die vorhergesagte Reduktion des Bienenvolkes durch das Thiamethoxam-bedingte Heimkehrversagen „ausbleibe“. Er behauptete, dass Bienenvölker rascher wuchsen und daher den hohen Bienenverlust ausgleichen können. Daher schließe er daraus, dass „Pestizidkontrollbehörden bei der Berücksichtigung des Ergebnisses dieses Modells vorsichtig sein sollten, wenn sie ihre Empfehlungen zur zukünftigen Verwendung von Thiamethoxam abgeben“.
Henry antwortete, dass Cresswell’s eilige Rückstellung des Wertes „w“, kaum Raketenforschung war. Tatsächlich basierte Cresswell’s ganze Rechtfertigung auf eine einzige Referenz aus dem Jahr 1981 (Winston ML et al. Oecologia 48: 407). Damals wurden für diesem Bericht nur drei Bienenstöcke beobachtet und keine davon in einem vergleichbaren Kontext zu der französischen Studie über Thiamethoxam. Konträr dazu, beruft sich die INRA Populationsdynamik auf eine 4-Jahres Studie von 208 Bienenstöcken.

Syngenta und James Cresswell
Am 8. August, ein paar Tage nach Cresswell’s Veröffentlichung in Science, berichtete Le Monde, dass Cresswell einen Forschungsfond von 171.000 Euro von Syngenta erhalten hat (Le Monde, 23. Sept. 2012). Cresswell behauptete, er habe seinen Bericht bei Science im Mai eingereicht. Syngenta entschied sich erst später sein Labor zu unterstützen. Cresswell erfuhr „zufälligerweise“, dass sein Artikel zur Veröffentlichung angenommen worden ist am … 8. August!
Unüblich für einen Fachkommentar, erhielten Cresswell’s Äußerungen eine ausgiebige Berichterstattung in den Medien. Die Universität von Exeter veröffentlichte (20. Sept. 2012), dass Cresswell die “Mängel” in Henry’s Studie beleuchtet hat und dass es „unwahrscheinlich sei, dass Erntepestizide einen Bienenvolk Kollaps hervorrufen“. Reuters berichtete, „Mordfall Honigbienen vs. Syngenta-Pestizide unbewiesen“ (21. Sept. 2012). Britische Wissenschaftler haben eine Studie “abgeschossen”, die für Syngenta’s Pestizide das “ Verbot in Frankreich ausgelöst hat”.
Cresswell wurde zitiert,“ wir haben noch keinen endgültigen Beweis über die Auswirkungen dieser Insektizide auf Honigbienen und wir sollten noch keine Entscheidungen bezüglich ihrer Anwendung treffen.“ Syngenta Frankreich sagte Reuters, „es ist uns wichtig, dass unsere Argumente nun durch eine wissenschaftliche Studie untermauert werden. Wir werden die Ergebnisse dieser Studie nutzen, aber es ist noch zu früh um zu sagen auf welche Art und Weise.“

Fehlerhafte Risikoeinschätzung?
Stéphane Foucart von Le Monde fragte, ob das Problem der fehlerhaften Risikoeinschätzung an der „Inkompetenz“ oder an der „Anhäufung von Interessenkonflikten“ liegt (9. Juli 2012). Dies war die Reaktion auf einen 275 Seiten langen wissenschaftlichen Fachbericht über die Wissenschaft hinter der Entwicklung einer Risikoeinschätzung von Pflanzenschutzmitteln für Bienen (Honigbiene, Hummel und einzelne Bienen von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde, Abteilung für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (EFSA Journal 2012, 10(5)2668). Dies war ein Bericht angeordnet von der Europäischen Kommission, um die Standardabläufe, bei der Beurteilung der Pestizidrisiken für Bienen, zu evaluieren. Der Bericht beleuchtet die sich anhäufenden wissenschaftlichen Beweise, dass es Probleme mit dem bestehenden Regulierungssystem gibt. Aktuelle EU Gesetze fordern, dass Pestizide nur zugelassen werden dürfen, wenn sie für Bienen nicht schädlich sind. „Diese Abteilung hat zweifellos noch nie ein peinlicheres Dokument hervorgebracht“, sagt Foucart.

Schwache Tests
Der Bericht deckte tatsächlich in allen bestehenden Tests, für die Zulassung von Pestiziden in der EU, Schwachpunkte auf. Die Tests waren zum größten Teil ungeeignet, um die Risiken für Bienen und andere Bestäuber abzuwägen. Zunächst einmal wurden die Protokolle für Tests entworfen, um die Nebenwirkungen von Pestizidsprays zu testen und sind daher überhaupt nicht geeignet, um systemische Insektizide, welche die ganze Pflanze während des Wachstums penetrieren, zu testen. Im Allgemeinen, beleuchten Tests immer nur die unmittelbare Vergiftung; die zeitweilige und langfristige Pestizidbelastung von ausgewachsenen Bienen „werden unter Laborbedingungen nicht ausgewertet“.
Genauso werden subletale Pestiziddosierungen bei konventionellen Tests nicht evaluiert. Weiters sind die Berechnungen für die Pestizidbelastung von Bienen systematisch unausgewogen: einerseits wird das Wasser das behandelte Pflanzen abgeben (Guttation) und mit dem die Insekten in Berührung kommen, nicht einberechnet und andererseits wird der Staub der während des Aussäens von den Pestizidummantelten Samen entsteht, außer Acht gelassen. „Daher ist es wichtig, Richtlinien für die Anwendungsformen von Pestiziden und die relevanten Belastungsrouten zu finden.“ Die Standardtests auf diesem Gebiet werden auch kritisiert. Honigbienenstöcke sind zu klein und die Belastungszeit ist zu kurz. Die schädlichen Folgen, selbst wenn gemessen, sind statistisch gesehen oft zu unwichtig, da nicht genügend Bienen verwendet werden. „Wesentliche Schwachstellen“ werden in den Berichten hervorgehoben, wie zum Beispiel die Größe des Untersuchungsfeldes, das im Test mit Insektiziden behandelt wurde. Die bei den Tests verwendeten Bienenstöcke, werden vor einem Testfeld mit 2.500 m2 bis 10.000 m2 (je nach Pflanze) aufgestellt. Wie auch immer, diese Fläche entspricht nur 0,01 bis 0,05 % des Gebietes, das eine Biene bei ihrer Futtersuche um den Bienenstock absucht. Daher ist die potentielle Belastung durch die getesteten Pestizide mehrere tausendmal höher in der Realität, besonders in Fällen, wo die Bienen in einem Monokultur dominiertem Umfeld leben und die Felder mit denselben Pestiziden behandelt werden. Zusätzlich sagen sie, dass Bienen auf ihre Virus und Parasiten Anfälligkeit nach Verabreichung einer niedrigen, subletalen Dosis getestet werden sollten.

Kein Bienenexperte bei EFSA …
Foucart wollte wissen, wie es möglich war, dass EU Aufsichtsbehörden nicht bemerkten, dass ihre Testmethoden unzulänglich waren, besonders da sie erst 2010 „aktualisiert“ worden waren. Sie mussten doch von den gehäuften wissenschaftlichen Beweisen gewusst haben, die in Frankreich das Verbot bereits 1999 rechtfertigen?

Er interviewte Janine Kievits, eine belgische Imkerin, die ein Mitglied der Europäischen Bienenzuchtkoordinierung (EBC) ist, welche 2006 anfing zu überprüfen, nach welchen Kriterien Pestizide für den europäischen Markt genehmigt wurden. Ihre Ergebnisse wurden 2010 im Corporate Europe Observatory publiziert; ist die Zukunft von Bienen in der Hand von der Pestizide-Lobby? (http://corporate europe.org).

„Es wurde schnell klar, dass weder bei der Europäischen Kommission, noch bei der EFSA einen Bienenexperten arbeitete. Stattdessen verlässt die Kommission sich normalerweise auf die Europäische und Mediterrane Pflanzenschutzorganisation (EPPO), in Bezug auf den Einfluss von Pestiziden auf Lebewesen.“ EPPO ist eine zwischenstaatliche Organisation von 50 Staaten, mit der Basis in Paris.



… und keiner bei der Europäischen Kommission
Wie auch immer, im Fall von Bienen und Bienenvölker, hat auch EPPO keine firmeneigenen Experten und so delegierte sie die Ausarbeitung von Richtlinien und deren Verbesserungen an eine internationale, informale Gruppe, die sich Internationales Komitee für die Pflanzen-Bienen Beziehung (ICPBR) nennt.

Dieses Komitee besitzt keinen formalen Status, wurde aber 1950 gegründet als eine Plattform, um Recherchen und Informationen über Bienen und Pflanzen auszutauschen. „Als wir erfuhren, dass diese Organisation die bekannten standardisierten Test überarbeitet, haben wir beschlossen sie zu begleiten“, sagt Kievits. Im Oktober 2008 fuhren sie zum 10. Internationalen Symposium der ICPBR Bienenschutzorganisation in Bukarest.

“Unsere Delegation, bestehend aus drei Bienenzüchtern, erfuhr die erste Überraschung, als die Eröffnungsrede mit einem Dank an die großzügigen Sponsoren endete: BASF, BayerCropScience, Syngenta und DuPont.“ ICPBR behauptete, dass die finanzielle Unterstützung von den wichtigsten Pestizidkonzernen sehr hilfreich wäre, da es die Teilnahmegebühr für die Delegierten von anderen Sparten niedrig hält und diese waren auch wirklich sehr gut vertreten mit 40 von 63 Teilnehmern, wie man im Schlussbericht lesen kann (Julius-Kuhn-Archiv 423,2009).

Dank der großzügigen Sponsoren aus der Industrie

Die Bienenzüchter hörten die Berichte der Arbeitsgruppen, betreffend die Aktualisierung der standardisierten Tests („regulierende Sachverhalte “). Trotz der freundlichen Atmosphäre, waren sie geschockt von diversen Vorschlägen.

Zum Beispiel die Bienenbrutgruppe (6 Mitglieder, 3 davon aus der Industrie; Bayer, BASF, Eurofins GAB) erklärte, dass 30%-iger Brutverlust oder 50%-iger Verlust an Eiern oder in andern Larvenstadien, als „normal“ zu werten ist, da solch ein Verlust auch in Jahren mit schlechtem Wetter oder Futtermangel vorkommen kann (Becker et al. P. 43). Die Bienenzüchter protestierten, dass es nicht “normal“ ist, wenn 30% der Brut durch Pestizide verloren geht, zusätzlich zu all den anderen Faktoren die Brutverlust hervorrufen können. „Ein Imker kann nicht überleben, wenn er systematisch 30-50% vom zukünftigen Volk verliert und zwar jedes Mal, wenn er Honig von Pflanzen die mit systemischen Pestiziden behandelt worden sind, produziert!“


Ein „normaler Verlust“ von 30%?

Die Gruppe für Richtlinien zur Beurteilung von systemischen Pestiziden (9 Mitglieder, davon 4 aus der Industrie) erklärte nur die Messwerte für eine Vergiftung, wenn ein Pestizide kurzfristig eine akute Wirkung zeigt (Alix et al. P. 15). Und keine der ICPBR Vorschläge berücksichtige die Belastung für das Bienenvolk, sondern bezog sich nur auf einzelne Bienen.

Auch Experten aus nationalen Agenturen, wie Helen Thompson von FERA (welche den Cresswell Kommentar in Science mitverfasste) und Anne Alix von AFSSA (die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit), nahmen am ICPBR teil. Helen Thompson war 2008 Schriftführerin bei ICPBR und wurde 2011 Vorsitzende. Im September, veröffentlichte das europäische Pestizid-Handlungs-Netzwerk (PAN) eine Presseerklärung, in der die extensiven Interessenkonflikte in den 1990ern aufgelistet waren. Damals beaufsichtigte PAN die Toxizitätsstudien für Bayer („Lebensmittelbehörde EFSA ist voreingenommen bezüglich Bienenschwund und Pestiziden“, www.pan-europe.info). Sie waren so erbost, dass EFSA von Thompson einen neuen Bericht verlangte, „Wechselwirkungen von Pestiziden und anderen Faktoren bei der Wirkung auf Bienen“ (Supporting Publications 2012:EN-340). Ihre Schlussfolgerung lautete, dass eine „limitierte Anzahl“ von Laborstudien Auswirkungen erahnen ließen aber dass Feldstudien keine eindeutigen Beweise lieferten, dass Pestizide mit der steigenden Anfälligkeit für Krankheiten zu tun haben oder „dass es eine Verbindung zwischen Völkersterben aufgrund von Krankheit und Pestizide gebe“. PAN verkündete, dass sie einen Offenlegungsantrag an EFSA gesendet haben, um herauszufinden, wer sie beauftragt hat.

Netzwerk von Vorurteilen?

Als eine der britischen Experten auf dem Gebiet der Bienentoxikologie hat Thomson in der Zwischenzeit eine signifikante Rolle, bei der Blockade von Änderungen bezüglich der Regulierung von Pestizid, gespielt. Das britische Landwirtschaftsministerium (Defra) hat sich sogar geweigert, die leichte EU Überarbeitung aus dem Jahre 2009 zu realisieren. Vor kurzem hat das Britische Unterhaus Umweltprüfkomitee eine volle parlamentarische Untersuchung in diesem Fall angekündigt. „Besonders genau werden wir die Gründe prüfen, warum sich die Regierung nicht für eine Änderung der Pestizidregulierungen Aussprach oder es anderen europäischen Ländern gleichtat und vorübergehen die Verwendung von Insektiziden verbot, welche in Verdacht standen am Bienensterben Schuld zu sein“ (The Guardian, 21. Sept. 2012).


In der Zwischenzeit deckte Foucart in Frankreich auf, dass Anne Alix, Hauptautorin der 2008 erschienenen ICPBR Empfehlungen an EPPO, gleichzeitig auch Frankreich bei EPPO vertreten hat und die französische Regierung bei den neuen Richtlinien in 2010 beraten hat. Daher, meint Foucart, war sie eine Expertin, welche ihrer eigenen Arbeit zustimmte um sie dann zu autorisieren. Alix arbeitet vorher bei Novartis (Syngenta) und dann bei verschiedenen französischen Instanzen (INRA, AFSSA, und dem Landwirtschaftsministerium). Im November 2011 wechselte sie zu Dow Agrosciences. Im Oktober 2012 machte sie eine Leitgedanken-Präsentation bei einem Treffen der Nordamerikanischen Bestäubungsschutz Kampagne vor der Amerikanischen Umweltschutzagentur (EPA). Diese überprüft im Moment die Wiederregistrierung von Neonicotinoiden.



Hintergrundwissen

Wie Pestizide funktionieren


Schlüsselwörter und wichtige Fakten über Insektizide und deren Hersteller.

Neonicotinoide sind synthetische chemische Insektizide, in Struktur und Verhalten dem Nikotin ähnlich. Sie paralysieren Insekten indem sie den postsynaptischen Nikotinsäure Acetylcholinrezeptor, im zentralen Nervensystem der Insekten, irreparabel blockieren. Die Schädigung ist kumulativ, das heißt, das die Vergiftung mit der Zeit verschlimmert, egal welch geringen Mengen man ausgesetzt war. (Tennekes HA (2010), Toxicology 276, 1-4).

Bienenvergiftung (Oral LD50 – akute Vergiftung)):3,7 ng/Biene (Imidacloprid/Clothaniadin), 5ng/Biene (Thiamethoxam). Chronische und subletale Wirkungen sind die Ursache intensiver Debatten.

Systemische Pestizide werden von der Pflanze absorbiert und über das vaskulare System weiter transportiert. Das macht die ganze Pflanze toxisch für Insekten, einschließlich Pollen und Nektar. Neonicotinoide können angewandt werden als Samenschutzmantel, Erdgüsse oder Granulaten, Besprühung, direkten Injektionen in den Baumstamm oder als Chemigation (zusätzlich zu Insektizide in die Bewässerung). Neonicotinoide können in der Erde und in Pflanzen sehr lange Zeit halten: Neonicotinoids / Halbzeitwert in der Erde: Imidacloprid 40 – 997 Tage (> 2,7 Jahre); Clothianidin 148 – 1.155 Tage (> 3,1 Jahre); Thiamethoxam 25 – 100 Tage (N.B. Clothianidin ist eine Aufspaltungsprodukt von Thiamethoxam). Imidacloprid ist auch ein Schadstoff in oberirdischen Gewässern in Holland.

Die „Großen 6“ agrarchemischen Kooperationen, kontrollieren 74% des weltweiten Pestizidmarktes. Zu ihnen gehören Syngenta, Bayer, Monsanto, Dow, BASF und DuPont. Bayer entwickelte Imidacloprid, das erste Neonicotinoid, genehmigt in der USA in 1991 und der EU 1994. Imidacloprid wurde das weltweit bestverkaufte Insektizid (2010 527 Mill. Euro), um 2011 von Syngenta’s Thiamethoxam überholt zu werden. BayerCropScience, der Welt zweitgrößte agrarchemische Firma, ist ein Teil von Bayer AG. 2011 beschäftigte sie 21.000 Mitarbeiter und hatte einen Umsatz von 7,3 Mrd. Euro. Syngenta (2000 gegründet durch eine Fusion von Novartis Agribusiness und Zeneca Agrochemicals) ist die größte agrarchemische Firma und der drittgrößte Samenhersteller. 2011 beschäftigten sie 26.000 Mitarbeiter mit einem Ernteschutz (Pestizide) Umsatz von 8 Mrd. Euro und Samenverkäufen von 2,5 Mrd. Euro. _JG-

redstadtimker, 31.12.2012

Thema: Bienensterben

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PDF: Honey Bees and Pesticides, Originalartikel: Controversy over bee mortality
Honey Bees and Pesticides: The Killing Fields?  Honey Bees and Pesticides
Originalartikel: Controversy over bee mortality Honey Bees and Pesticides: The Killing Fields?
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